© 2019 by BRUNO AMSTAD. 

PRESS

Jazzfestival Willisau
August 2005

Ein Sänger allein auf der Bühne, aber da steht der Himmel offen und ist der Teufel los. Durchlässig zwischen organischen Stimmen und elektronischen Kraftwerken entfacht er die ganze Schönheit emotionaler Musik. Bruno Amstad, der Schweiz rarer Jazzsänger, ist ein Selfmade-Ausnahmetalent. Seine bisher einzige CD gibt mit ihren innigen World-Facetten nur einen kleinen Ausschnitt aus seinem Kosmos stimmlicher Ausdrucksmöglichkeiten. Amstad, der Oberton-Schamane, ist auch ein Rocksänger und ein Rapper. Begonnen hat er als Rock- und Soulsänger, gelandet ist er ebenso in Christy Doran´s New Bag wie bei zahlreichen andern Projekten in den Schallgrenzen von zeitgenössischem Elektronik-Jazz, Noise und freier Improvisation. Bruno Amstad steht in Willisau allein auf der Bühne, mit einem begrenzten elektronischen Equipment. Die Kunst, aus wenig viel zu schaffen, lässt sich bei Amstad, seinen Stimm-Verwandlungen und seinen Loop-Schichtungen geradezu anschaulich mit hören. Seine Resonanzspektren wirken wie fliegende Teppiche, unter denen die Beats pulsen und das Publikum mit auf Reise geht.

Halle "Turm" 
Voranzeige Christy Doran's NEW BAG

Mit dem famosen Bruno Amstad gehöhrt zudem der vielleicht grossartigste und originellste Vokalist unseres Kontinents zur Gruppe.

Facts
Februar 2003

die extremen Töne aus der Kehle von Bruno Amstad lassen einem buchstäblich den Atem stocken.

weltwoche.jpg
Welt-Stimme
NLZ 18. 10. 2001

Das lange warten hat sich gelohnt: "Culture Shock", die erste Solo-CD von Bruno Amstad, ist wunderschön geraten. Sie nimmt uns mit auf eine musikalische Reise durch viele Kulturen und Stimmungen. Die Musik ist emotional, sie hat ein

e Ausstrahlung, sie tut der Seele gut.

Bruno Amstad, vor allem bekannt geworden als Sänger von Christy Doran's New Bag, verbindet in seinen Kompositionen Luftiges und Erdiges, Kräftiges und Zärtliches. Mal tönt das wie ein Popsong mit süffig-simplen Grooves, dann wieder kommt Feierlichkeit auf, wenn der Sänger die Obertöne schwingen lässt und mit der Inbrunst eines indischen Swamis die Herztöne freisetzt

Es erscheint nicht als Stielbruch, wenn Amstad nach "A Taste of India" – das in jede Chill-out-Lounge passen würde – mit kräftiger Stimme und monotonen Balafonklängen "afrikanisch" weiterfährt. Der zusammengewürfelt wirkende Charakter der Aufnahme und die verschiedenen Emotionalitäten machen den Charme dieser Debut-CD aus. Und selten genug: Sie gewinnt mit zunehmender Dauer an Tiefe und Intänsität

Bruno Amstad hat gelegentlich selbst gemachte Audio-Aufnahmen von Märkten und Strassen in Dakar/Senegal zu den Tracks gemischt. Auch die Cover-Fotos hat er unterwegs auf den Tourneereisen mit New Bag selber geschossen. Dass er die CD in seinem Heimstudio in Luzern aufgenommen und produziert hat, passt zum Selfmade-Charakter dieses Albums. "Culture Shock" öffnet unsere Ohren für die Welt : dort draussen und in uns drinnen 

WOZ
Oktober 2001

Und so soll zum Schluss ein «Exot» in mehrfachem und bestem Sinne Erwähnung finden. Der Luzerner Experimentalvokalist Bruno Amstad hat sich mit seinem Solodebüt «Culture Shock» aus seiner urschweizerischen Umgebung heraus die ganze Welt erschlossen. Allein mit seiner Stimme und elektronischem Equipment reist er bis nach Afrika und New York und kreiert stimmungsvolle Klanglandschaften von archaischer Schönheit und pulsierender Aktualität. Swingende Schweizer Weltmusik in Taschenformat.

Tagesanzeiger
Christoph Hegi

Doch umwerfend ist das stupende musikalische Zusammenspiel zwischen Doran's virtuoser Gitarre und dem Organ des Sängers Bruno Amstad. Mit ihm ist eine männliche Stimme zu entdecken, die alles Künstliche vermissen lässt, über ein grandioses Spektrum verfügt und nicht nur den speziellen Gesang herab vom arabischen Minarett in den Klanghimmel zaubern, sondern einen mit nahtlos eingebettetem Obertongesang zu den Naturtalenten in die tadschikische Steppe versetzen kann.

Radio SRF
Juni 2015, von Beat Blaser
Jodeln, beten, stöhnen: Bruno Amstads musikalische Expeditionen

 

«Mit Singen drücke ich das aus, was ich nicht in Worte fassen kann, doch worüber zu schweigen für mich unmöglich ist», sagt der Luzerner Stimmkünstler Bruno Amstad. Um diese Dinge auszudrücken, hat er mehr stimmliche Mittel zur Verfügung als viele andere.

«Amstad knattert, knistert, rauscht, krächzt, flüstert, wimmert, wummert, brummt, röchelt, hechelt, stöhnt, schreit und flüstert.» Die Aufzählung von Publizist Peter Rüedi in einer CD-Besprechung ist beileibe nicht vollständig für das, was Bruno Amstad mit seiner Stimme anstellen kann. Bis aus Bruno Amstads Gesang seiner frühen Jahre die Lautäusserungen zwischen Flüstern und Schreien wurden, legte er allerdings einen weiten Weg zurück.

 

Geboren 1964, ist er ein Kind des Rockzeitalters. Erste Bands, in denen Bruno Amstad sang, lehnten sich an Led Zeppelin an und ähnlichen Formationen der eher härteren Sorte. Das Outfit des Rocksängers hat Amstad behalten: ein Bär von einem Mann mit langen Haaren, oft schwarz gekleidet mit T-Shirt und Jeans. Seine Musik allerdings hat irgendwann die Abzweigung weg vom Rock hin zu improvisierter Musik genommen, zu Experimentellem und Ungehörtem.

 
Experimentieren bis zum Exzess

 

Gleichermassen kam Bruno Amstad von gesungenen Texten weg. Oder anders gesagt: Die Wörter, die er als Rocksänger noch gesungen hatte, lösten sich auf in ihre Einzelteile, aus Wörtern wurden Silben und aus Silben Buchstaben und Laute.

Sie sind heute oft das Material, aus dem Amstad seine Improvisationen baut. Und ebenso wie der konkrete Inhalt des Gesungenen seine Bedeutung verlor, wurde das Instrument, seine Stimme wichtiger. Sie wurde zum Forschungsfeld. Bruno Amstad lotet ihre Möglichkeiten bis zum Exzess aus. Peter Rüedi sprach in der gleichen Rezension von der «Vivisektion der menschlichen Stimme am offenen Kehlkopf».

 
Loop um Loop

 

Die Stimme ist das älteste Musikinstrument auf dieser Welt, auch das älteste Kommunikationswerkzeug. Es leuchtet ein, dass in vielen Kulturen mit ihren Möglichkeiten gespielt wurde. Tibetanische Mönche mit ihren abgrundtiefen Klängen, Jodellaute bei afrikanischen Pygmäen, auch Gebetsrufe von Innerschweizer Sennen gehören dazu. Bruno Amstad hat vieles davon in seine Kunst integriert. Auch den Obertongesang, der in vielen Kulturen heimisch ist. Dabei werden mithilfe von Mund- und Zungenstellung einzelne Obertöne isoliert, die in der Stimme mitschwingen.

 

Neu allerdings sind die Möglichkeiten, die die Elektronik bietet, für Bruno Amstad vorab das Arbeiten mit Loops. Diese Technik, das Übereinander-Singen von verschiedenen Stimmen in Echtzeit ist relativ neu in der Musik. Voraussetzung dafür waren Aufnahmegeräte, die nicht mehr mit Bändern oder sonstigen beweglichen Tonträgern, sondern mit einer Festplatte arbeiten. Bruno Amstad war hierzulande einer der ersten, der die vielen Möglichkeiten der Loop-Technik sah und sie anwendete. Bis heute ist seine Virtuosität im Umgang damit stupend. Kaum jemand baut komplexere Klanglandschaften als er, und dies live vor Publikum auf der Bühne.

 
Schwyzerörgeli und Saxofon

 

Von Bruno Amstad also als Sänger zu reden, greift ziemlich zu kurz. Stimmkünstler wäre richtiger, Stimmvirtuose wäre auch passend. Amstad selber zieht es vor, sich einfach Musiker zu nennen. Denn das ist es, was er macht: Musik. Es geht nicht darum, Exotisches zu demonstrieren – seht her, was ich mit meiner Stimme alles anstellen kann –, sondern ihm ist es wichtig, mit seinen Klängen sinnvoll Musik machen zu können. Wie das geschieht, ist weniger wichtig.

 

Bruno Amstad ist stilistisch offen, oder vielmehr: Es interessiert ihn nicht, in welche Schublade seine Musik gesteckt werden soll. Im Duo mit dem Schwyzerörgelispieler und Saxofonisten Albin Brun ist es alpenländische Musik ohne Scheuklappen, bei Christy Doran's New Bag, wo Amstad jahrelang dabei war, war es Jazz mit Rockeinflüssen. In seinen eigenen Soloprojekten ist es – ja, was eigentlich?

Der Forscher Bruno Amstad ist nach wie vor unterwegs auf dem noch nicht fertig erkundeten Kontinent namens Stimme. Er wird noch mehr seltene und seltsame Stimmtiere entdecken.

Kulturkalender Luzern
Urs Näf

BEKIFFTE WALE oder Rasenmäher auf LSD? Obertonsänger im Tiefenrausch? Jaulende Welpen oder rülpsende Bergfinken? Vertonte Nebelschwaden? Raucherlungen im Marathon-Stress? Nudeln beim Sprudeln? Verknotete Elefantenrüssel? Euphorische Wasserkocher? Störrische, ächzende Einkaufswagen? Leise Laute oder laute Leisetreter? Geknebelte Aliens womöglich? Bruno Amstad lotet auf seiner neuen CD die Extreme, die Wandlungs- und Vielseitigkeit der menschlichen Stimme bis in ihre äussersten Erscheinungsformen aus. Seine "Stimme" irritiert, irrlichtert im Universum der Klänge und Geräusche und fordert die ganze Aufmerksamkeit des Lauschenden, dem das Ungewohnte, Schräge und Sperrige überraschende Bilder, Assoziationen und Entdeckungen beschert. Einmalig!